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Das neue Gotteslob

Historisches

GOTTESLOB

Im Bistum Regensburg wurde bereits im Jahre 1932 mit dem „Lob Gottes“ ein einheitliches Gebet- und Gesangbuch aufgelegt. Zum ersten Mal waren u.a. alle so genannten feststehenden Teile der Messfeier (Ordinarium) in einem Buch für die Gemeinde enthalten. Für die damalige Zeit ein höchst bemerkenswerter Fortschritt. Erst im Jahr 1964 wurde im Bistum Regensburg das „Magnificat“ von der Erzdiözese Freiburg übernommen. Die Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) und die weitgehenden Bevölkerungsbewegungen in Deutschland machten schon bald einen Nachfolger für das Magnificat mit Gebeten, Andachten und Liedern mit neuer liturgischer Ausrichtung erforderlich. Als Schlagwort sei hier die oft zitierte „actuoso participatio“, die „bewusste, tätige und volle Teilnahme“ der Gemeinde am Gottesdienst angeführt. Im Advent 1974 konnte nach 10jähriger Vorbereitungszeit das „GOTTESLOB“ in den Pfarrgemeinden seinen Einzug halten. Während das aufkommende Neue Geistliche Lied noch nicht in den Liederkanon Eingang gefunden hatte, so ist doch der ökumenische Gedanke spürbar vertreten. Die Anzahl der bis heute gedruckten Exemplare des GOTTESLOBES 1975 wird jedoch für alle Nachfolger nie mehr erreicht werden. In den vergangenen Jahren wurden bereits einige Überarbeitungen vorgenommen. So wurden bei einigen Textstellen im Jahr 1996 im Sinne

GOTTESLOB
von links: Lob Gottes 1932, Magnifikat 1964,
Gotteslob 1975 und Gotteslob 2013

einer inklusiven Sprache aus den „Brüdern und Söhnen“ schließlich „Geschwister“ und es gab zuletzt einen zweiten Anhang für die Regensburger Diözese (ab Nummer 921). Hier wurden neben einigen Neuen Geistlichen Liedern vor allem auch Gesänge aus den Vorgängern Magnifikat und Lob Gottes aufgenommen. Doch etwas Kosmetik reicht nach fast 40 Jahren nicht mehr aus. Eine grundlegende Überarbeitung war angesagt, weil sich Sprache und Musik und nicht zuletzt die liturgischen Erfodernisse fortlaufend ändern.

Startschwierigkeiten

Der Nachfolger GOTTESLOB 2013 sollte am Ersten Adventssonntag 2013 nach über 10 Jahren Vorbereitungszeit offiziell eingeführt werden. Doch noch auf der Zielgeraden musste der Termin verschoben werden. Es konnte nur etwa die Hälfte der ca. 4,2 Millionen Bücher korrekt gedruckt werden. Schuld an dem ungewollten Stopp war die so genannte „Opazität“, also die Durchsichtigkeit des verwendeten Druckpapiers. Der Wechsel des 40 Gramm/m² leichten Papiers „Thin Opaque“ auf eine optional angedachte Papiersorte ließ die Rückseite zu stark durchscheinen, so dass die Lesbarkeit zu sehr eingeschränkt wurde. Nur zu dumm, dass ausgerechnet die Ausgaben für die Regensburger Diözese noch nicht fertig waren. In manch anderen Diözesen konnte die Einführung am Ersten Adventssonntag 2013 eingehalten werden. Seit Mitte Juni 2014 ist nun die Zeit des Wartens auch in der Tirschenreuther Pfarrgemeinde vorbei. Zusammen mit allen 37 deutschsprachigen Diözesen (außer Schweiz und Liechtenstein) können wir in das gleiche Lob Gottes aus dem GOTTESLOB einstimmen.

Details

Auch wenn das neue Buch etwas größer und schwerer geworden ist, so halten wir mit dem neuen GOTTESLOB ein wahres Hightech-Produkt in den Händen. Die 1296 Seiten (drucktechnisch muss das Buch ein Vielfaches von 48 Seiten haben, 27x48=1296) nehmen in der Höhe nur 3,7 cm ein, ein herkömmliches Buch würde mehr als 11 cm Höhe messen. Der Druck ist dreifarbig, schwarz, grau und rot, wobei letztere Farbe eine eigens kreierte Farbmixtur für das GOTTESLOB präsentiert. Das Druckbild ist ähnlich groß wie bei der Großdruckausgabe des bisherigen GOTTESLOBes 1975. Der direkte Vergleich erstaunt.
Über das ganze Buch verstreut sind Zitate verschiedenster Art eingestreut, die zum Nachdenken anregen sollen. Ebenso bedenkenswert sind die im Stammteil enthaltenen Zeichnungen der Künstlerin Monika Bartholomé (Jahrgang 1950, Köln). Es sind extrem reduzierte Darstellungen, die dem Betrachter viel Fantasie abverlangen. Bereits das Titelbild (Heiligste Dreifaltigkeit) lässt die unmöglichsten Interpretationen zu, von denen ich hier aber nicht sprechen will. Drei Farbbilder befinden sich im Innenteil: Erschaffung des Adam, Kreuz von Erp und die Westfassade des Regensburger St. Peter Domes. Praxisnah und gut erklärt zeigt sich der eingearbeitete Katechismus, was das Buch zu einem idealen Geschenk an Kommunionkinder oder Firmlinge macht. Verweise auf verwendet Begriffe (siehe Seite 15) runden das durchdachte Konzept ab. Das neue GOTTESLOB ist ein Buch aus der Praxis für die Praxis.

Aufbau

Der Stammteil und der Diözesanteil folgen dem gleichen Aufbau:
I. Geistliche Impulse für das tägliche Leben. Dieser Teil dient dem privaten Gebet, sowie dem Gebet in der Familie oder Gemeinde. Kirchenmusikalisch gesehen ist der Schwerpunkt im II. Teil zu finden:
II. Psalmen, Gesänge und Litaneien. Der zweite Teil schließt sich bereits ab Nummer 30 an. Dazugewonnen hat auf jeden Fall der Psalter sowohl in der Anzahl (alt 66 Psalmen, neu 69 Psalmen) als auch in der Singbarkeit der angebotenen Antiphonen (Kehrverse). In diesem Zusammenhang sei auf das „Verzeichnis biblischer Gesänge“ (Seite 1276) hingewiesen, die eine Alternative zu den einzelnen Psalmen aufzeigen, falls kein Kantor vorhanden ist.

Das Kapitel „Gesänge“ folgt in seinem Aufbau einer zeitlich aufsteigender Ordnung. Von der kleinen Maßeinheit „Tag“ mit Morgen, Mittag und Abend folgt die nächst größere „Woche“ mit ihrem Herrentag, dem Sonntag mit den dafür erforderlichen Gesängen. Die Abfolge des Kirchenjahres mit Advent, Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt gibt den größten Zeitrahmen für die Anordnung der Gesänge vor. In der Rubrik „Leben“ findet sich ein ähnlicher Themenschlüssel, wie wir ihn schon aus dem bisherigen GOTTESLOB kennen.

Neue Wege

Unter den Liedern fallen ein paar 4stimmige Sätze ins Auge, insbesondere mehrere Kehrverse der Taizé-Gesänge sind chorisch wiedergegeben. Die Gemeinde wird hier wohl die Sopranstimme singen, versierte ChorsängerInnen und musisch erfahrene Teilnehmer seien ermutigt, sich mit ihrer Stimme einzubringen. Einige Lieder sind mit Akkordbezifferuung versehen, was die Gitarristen unter uns freuen wird.
Mehrere Gesänge wechselten vom Stammteil in der Diözesanteil und umgekehrt. Das liegt daran, weil der Stammteil quasi als kleinster gemeinsamer Nenner das Liedgut aller Diözesen widerspiegelt, während die Anhänge diözesanspezifische Gesänge beinhalten. Oftmals existieren sowohl textlich als auch melodisch unterschiedlichste Variationen für ein und desselbe Lied, so dass eine Wiedergabe im Stammteil einfach nicht möglich war. Einige bekannte Melodien sind mit neuen Texten versehen. Dies ist eine willkommende Möglichkeit, sich mit dem neuen GOTTESLOB vertraut zu machen.

Bei den Choralgesängen ist im GOTTESLOB 2013 einheitlich auf das 4-Linien-System mit Noten in Quadratnotation verzichtet worden. Als Kompromiss wird jedoch durchgehend der Aufstrich bei fallenden 2er und 3er Ligaturen wiedergegeben. Man will dadurch der originalen Notation ein Stück weit Rechnung tragen. Die deutsche Übersetzung der lateinischen Texte ist sehr zu begrüßen. Die Regelung mit dem Akzent auf der betonten Silbe ist aus dem alten Gotteslob übernommen: Die erste Silbe ist betont, die zweite Silbe unbetont, ein Akzent auf der ersten Silbe wird nicht angegeben. Wörter mit drei Silben und mehr erhalten mit einem Akzent auf der betonten Silbe eine eindeutige Zuordnung der Betonung.

GOTTESLOB Nummer 391

Zwei verwendete Zeichen bei den nicht metrischen Gesängen seien noch am Beispiel des Kehrverses „Laudate Dominum de caelis.“ (Nummer 391) erklärt. Der gerade Strich über der zweiten Note bewirkt eine zeitliche Dehnung der Silbe „-da-“. Der in der Mitte nach unten gebogene Strich über der folgenden Silbe „-te“ hat zunächst auf den zeitlichen Ablauf keinen Einfluss, sondern soll eine Intensivierung der Silbe anzeigen; der Ton bekommt sozusagen mehr Energie. Letztendlich sind diese Nuancen für uns Kirchenmusiker von Bedeutung. Durch das Prinzip richtiges Vorsingen des Kantors und dem Nachsingen der Gemeinde dienen solche Angaben einer möglichst guten Aufführungspraxis.

Ebenfalls vom Vorgänger GOTTESLOB übernommen ist die Kennzeichnung ökumenischer Gesänge mit einem „ö“ unter der jeweiligen Nummer. Diese Lieder sind allen christlichen Kirchen im deutschen Sprachraum eigen und in diversen anderen Gesangbüchern zu finden. Eingeklammert ist das „(ö)“, wenn dies nur auf Teile, zumeist bei der Melodie, zutrifft. Allein im Stammteil ist das „ö“ 160 Mal und das „(ö)“ 35 Mal vorzufinden. Das Thema Ökumene bleibt nach wie vor ein wichtiges Anliegen.

III. Gottesdienstliche Feiern. Ab der Nummer 570 schließen sich Liturgien und Andachten an. Für die Feier der sieben Sakramente stehen praktische Formulare bereit und wieder hingewiesen sei auf die eingearbeitete Katechese zu den einzelnen Punkten. Einen neuen Schwerpunkt bildet die Tagzeitenliturgie, oder auch Stundengebet der Kirche genannt. Mit „Laudes“ (Morgengebet), „Vesper“ (Abendgebet); und „Komplet“ (Nachtgebet) bietet das neue GOTTESLOB eine Fülle an Gestaltungsmöglichkeiten. In unserer Pfarrgemeinde wird die Vesper an den Hochfesten im Kirchenjahr gesungen, die Komplet jeden Dienstagabend im Anschluss nach der Abendmesse und dem Rosenkranz. Mit der „Wort-Gottes-Feier“ wird eine Form angeboten, wenn keine sonntägliche Eucharistiefeier in manchen Gemeinden aufgrund des Priestermangels stattfinden kann. Im Jahr 1975 wäre für eine solche Feier einfach kein Bedarf gewesen.

Im Diözesanteil ab der Nummer 700 wiederholt sich die oben beschriebene Anordnung I. bis III., jedoch ohne grafische Elemente. Jede Diözese konnte hier die Gesänge und Texte aufnehmen, die in den Stammteil keinen Eingang gefunden haben. Dass hier auch bekannte und weit verbreitete Lieder zu finden sind, liegt an dem Umstand, dass es doch größere diözesane Unterschiede in den Überlieferungen gibt, sowohl textlich als auch melodisch. Die fast 3.000  Lieder aus 60 verschiedenen Sammlungen und Einsendungen mussten sich einem strengen Auswahlverfahren unterziehen. Ein erstes Kriterium war die Singbarkeit ohne Begleitung. Eine Einteilung der Lieder in „muss“, „sollte“ und „wenn möglich“ ließ schließlich den großen Fundus auf knapp 300 Nummern schrumpfen. Änderungen bei den Liedtexten und Melodien halten sich aber in Grenzen. Bisweilen änderten sich die Strophen oder es wurden Korrekturen in den Noten vorgenommen.

Nichts ist so beständig wie der Wandel

Dieses Schicksal ist auch dem neuen GOTTESLOB schon beschieden. Die Neuauflage des Messbuches und der Einheitsübersetzung der Bibel könnten neue Formulierungen in der Liturgie oder etwa bei den Psalmen nach sich ziehen. Unter der Nummer 588,5 wurde z.B. bei den Wandlungsworten „pro multis“ bereits die neuere, wörtliche Übersetzung „für viele“ abgedruckt. Wann schließlich die verbindlichen Texte vorliegen, ist aber noch Zukunftsmusik von übermorgen. Wenn die jetzige Auflage GOTTESLOB 2013 in vielleicht 10 bis 15 Jahren verschlissen ist und ersetzt werden muss, könnte eine erste Überarbeitung des neuen, dann aber alten GOTTESLOBes nötig sein. Konkrete Aussagen lassen aber sich dazu heute nicht treffen. Wie dem auch sei: Wir wünschen dem neuen GOTTESLOB eine gute Akzeptanz bei den Gläubigen. Möge der Schatz an Gebeten und Gesängen auf fruchtbaren Boden fallen.

Werner Fritsch