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Stadtpfarrkirche: Von der Geschichte bis zur Gegenwart.

Das Geläut der katholischen Stadtpfarrkirche Tirschenreuth hat eine lange Historie. In unserer Pfarrchronik - geführt von Schwester M. Lidwina Wührl, Arme Schulschwestern - finden sich aus dem Jahre 1937 folgende Postkarte von 1917 und dazu diese Einträge:

Glocken 1937
Friede' erklang unser täglich Geläute,
Sieg' donnern nun in den künftigen Streite.
Stadt Tirschenreuth 31.VII.17

„So zogen im Weltkrieg unsere Glocken fort und kamen nicht wieder. Der Opferwille der Pfarrgemeinde schaffte nach 20 Jahren neue Glocken.

17. Dezember 1937

Ein Freudentag! Unsere neuen Glocken, die Michaels- und Raphaelsglocke, 17 Ztr. und 7 Ztr., gegossen von Firma Hamm, Regensburg, sind glücklich angekommen.

18. Dezember 1937

Sie wurden vom H.H. Stadtpfarrer geweiht, dann sogleich aufgezogen und einmontiert. Am nächsten Tag konnte schon das erste Probeläuten stattfinden und am

19. Dezember 1937

riefen die neuen Glocken in schönem Zusammenklang mit der Maria- und Annaglocke zum ersten Mal die Pfarrgemeinde und zwar zur letzten Adventandacht. Leider fehlte noch der Klang der Hedwigssglocke, die noch mal gegossen werden muss.“

Glocken 1937

Am 9. April 1938 kam endlich die langersehnte Hedwigsglocke, nachdem ihr dritter Guss gelungen war. Nun klingen unsere 5 Glocken in schöner Harmonie zusammen, c’ d’ f’ g’ b’, abgestimmt nach dem Gloriamotiv. Zur Ehre Gottes! Im Dezember 1938 wurde das elektrische Läutwerk für unsere Glocken und der elektrische Turmuhraufzug in Betrieb genommen. Die Hedwigsglocke hat auch diesmal wieder die meisten Schwierigkeiten gemacht. Beauftragte Firma: Herfoder Elektrizitätswerk Bokelmann u. Kuhlo, Herford.

Aus militärisch-technischen Gründen musste seit dem 8. Oktober 1939 das Läuten von Glocken soweit als möglich eingeschränkt werden. In den Herbst- und Wintermonaten unterbleibt das Gebetläuten zunächst vollständig. Ab 5. November 1939 darf bis auf weiteres in der Zeit von abends 18.00 Uhr bis morgens 8.00 Uhr nicht mehr geläutet werden. In der übrigen Zeit wird nur einmal vor Beginn des Gottesdienstes geläutet, das sog. Erstläuten muss unterbleiben. Bei Beerdigungen darf nicht länger als 3 Minuten geläutet werden. Erst ab Januar 1940 ist das Läuten der Glocken in unserem Bezirk nun wieder ohne Einschränkung gestattet. (Bestimmung 7.12.1939).

Beim ersten Abendgottesdienst, lev. Hochamt, abends ½ 8 Uhr am 6. Januar 1942 riefen zum letzten Mal unsere Glocken im Zusammenklang die Pfarrgemeinde zum Gottesdienst. H.H. Stadtpfarrer wies auf das Wort unseres H.H. Bischofs hin: Möge das letzte Geläute unserer scheidenden Glocken die laute und ernste Mahnung sein: „Wachet und betet!“

Am 15. Januar 1942 erfolgte die Abnahme der Hedwigs-, Raphaels-, Michaels- und Annaglocke. Die große Marienglocke verbleibt uns. Unsere große Marienglocke wurde 1816 von Loesch/Bayreuth aus dem Metall der durch den Stadtbrand 1814 geschmolzenen Glocken gegossen.

(Nebenbemerkung: Für den Hochaltar der Pfarrkirche wurde im September 1942 ein Gong beschafft von Firma Wilhelm Rauscher, Fulda. Bei jedem Gottesdienst am Sonntag, bei Brautmessen und Trauerämtern wird von jetzt an bei der heiligen Wandlung gegongt.)

Glocken 1946

Die Chronistin Sr. Lidwina schreibt: „Am 24. August 1946 erhielten wir unsere vier neuen Glocken, ein Festtag für die ganze Pfarrei! Feierlicher Empfang am Bahnhof. Die ganze Bevölkerung voll Freude und engster Anteilnahme. Festliches Geleite zur Kirche. Weihe der Glocken vor der Dreifaltigkeitssäule. Bis ihr Glockenstuhl ausgebaut war, wurden die vier Glocken in der Gnadenkapelle aufgestellt.“

Über dieses denkwürdige Ereignis berichtete sogar die amerikanische Zeitung „The Bavarian Published for Military Government in Bavaria“ am 25.10.1946. Der letzte Absatz dieses Berichtes im Wortlaut: „Kinder, Männer und Frauen mittleren Alters, alte Leute und Andächtige aus allen Teilen des Kreises, versammelten sich, um den blumengeschmückten, von Pferden gezogenen Wagen zu folgen, der die Glocken zur Kirche brachte. Priester in ihren strahlenden Festgewändern und Ministranten, frischgewaschen und engelgleich, führten die Prozession an, welche sich durch die hügeligen, engen Pflastersteinstraßen bis zu dem Gebäude auf dem Berge hinbewegte. Als der Küster anfing, den der Stadt wiedererworbenen Schatz zu läuten, da weinten und lachten die Leute.“

Josefsglocke – D Glocke – 38 Zentner
Michaelsglocke – E Glocke – 28 Zentner
Marienglocke Schutzfrau Bayerns – G Glocke – 18 Zentner
Raphaelsglocke – A Glocke – 10 Zentner

Glocken 1946

„Sie waren vom 21.06. bis 25.07.1946 in der weltberühmten Glockengießerei in Gescher/Westfalen gegossen worden; sie mussten zu der uns verbliebenen großen Marienglocke (C Glocke - 42 Zentner) in harmonischer Abstimmung gepaart werden. Nach einigen Tagen wurden die Glocken aufgezogen. Voll Spannung hörten wir das erste Probeläuten. Am 8. September, am Erntedankfest, erklang zum ersten Mal unser herrliches Geläute. Welche Fülle von Melodien. Freude und Stolz in allen Herzen.“

Schließlich erhielt unsere Pfarrkirche am 2. August 1947 eine neue Turmuhr. Nach langen Arbeiten konnte sie in Gang gesetzt werden und wird elektrisch betrieben. Die zwei Zifferblätter gegen Süden und Westen sind nachts beleuchtet.

(Nebenbemerkung: Am 31. Mai 1949 erhielt Kleinklenau eine Glocke; sie wurde geweiht auf Johannes Baptista und am 13. August 1949 wurde die Glocke des Klettnerturms geweiht.)

Uhrwerk

Über dieses Gestänge werden heute die großen Zeiger der vier Turmuhren angetrieben. In dem kleinen roten Kasten befindet sich der Motor dazu. Die Zeitvorgabe erfolgt per Funkuhr.

Das Besondere an unserem Kirchturm ist, das dieser und das Uhrwerk seit je her im Besitz der Stadt Tirschenreuth sind. Deshalb kann man auch nicht von der Kirche aus auf den Turm hinaufsteigen, sondern nur von außen über einen kleinen angebauten Rundturm. Nach 88 Stufen (genau so viel Tasten hat übrigens auch ein Klavier!) ist man in der so genannten „Glockenstube“ angelangt. Von dort aus führen dann verschiedene Leiter bis ganz hinauf unter die Zwiebelkuppel. Ganze 48 Meter misst unser Kirchturm in der Höhe und ist damit genauso hoch, wie unsere Stadtpfarrkirche lang ist.

Stadtpfarrkirche: Die Inschriften aller fünf Glocken.

Marienglocke – Stimmung C – 42 Zentner – Stundenschlag (ganze Stunde):

Marienglocke
untere Reihe, Osten (Originalbild aus der Pfarrchronik)

SANCTA MARIA
ORA PRO NOBIS

DIESE GLOCKE
WURDE NACH DEM UNGLUECKLICHEN BRAND
ZU TIRSCHENREUTH AM 31. IULY 1814,
WODURCH DIE GANZE STADT, NEBST KIRCHE UND THURM
IN DIE ASCHE GLEGT WORDEN IST
DURCH VERANSTALTUNG DES KOENIGL. LANDGERICHTS,
DANN DER KOENIGL. COMMUNAL ADMINISRATION
UND MUNICIPALITAET GEDACHTER STADT
ANNO 1816 NEUGEGOSSEN VON IOHANN LUDWIG LOESCH
ZU BAYREUTH
(ADMINISRATION = Verwaltung, MUNICIPALITAET = Gemeinderat für rechtliche und polizeiliche Belange)

ZU DER ZEIT
WAR KOENIGL. LANDRICHTER
S. T. HERR XAVER DESCH
K. STADT PFARRER U. SCHUL INSPECTOR
S. T. HERR PANTALEON SENESTRAY
K. RENT AMTMANN S. T. HERR GEORG WEINREICH
K. COMMUNAL ADMINISTRATOR ERNEST DORNER
K. MUNICIPAL RAETHE
HERR HIERONIMUS HAERING, HERR FELIX HOERMANN,
HERR IOH. MOHR UND HERR IOH. HABERKORN


JOSEFSGLOCKE – Stimmung D – 38 Zentner:

Josefsglocke
untere Reihe, Westen

SEGNE UNSERE CHRISTLICHE ARBEIT
SEGNE DAS ERBE EINES VATERS KOLPING UND EINES BISCHOFS KETTELER

STADTPFARRER ERNST MAYER 1946
ERSTER BÜRGERMEISTER JOSEF ZAHN


MICHAELSGLOCKE – Stimmung E – 28 Zentner –
Stundenschlag (viertel Stunde):

Michaelsglocke
obere Reihe, Westen
Rechts unten ist der Hammer für den Stundenschlag.

ENGEL DER DEUTSCHEN! SCHÜTZE UNSERE JUGEND UND
MACHE SIE GLAUBENSTREU UND GLAUBENSSTARK. SEI MIT UNS ALLEN IM LETZTEN STREIT UND FÜHR UNS ZUM EWIGEN SIEG!

STADTPFARRER ERNST MAYER 1946
ERSTER BÜRGERMEISTER JOSEF ZAHN


SCHUTZFRAU BAYERNS – Stimmung G – 18 Zentner:

Schutzfrau Bayerns Glocke
obere Reihe, Osten

ZUM DANKBAREN GEDENKEN AN DIE GNÄDIGE ERRETTUNG DER HEIMAT
IM FÜRCHTERLICHSTEN ALLER KRIEGE 1935 / 1945

STADTPFARRER ERNST MAYER 1946
ERSTER BÜRGERMEISTER JOSEF ZAHN


RAPHAELSGLOCKE – Stimmung A – 10 Zentner:

Raphaelsglocke
obere Reihe, Mitte

+ ST. RAPHAEL DEM ENGEL UND SCHÜTZER DER WANDERDEN!
DEN SCHEIDENDEN KÜND ICH DEN EWIGEN FRIEDEN.

STADTPFARRER ERNST MAYER 1946
ERSTER BÜRGERMEISTER JOSEF ZAHN


Läutordnung

Erstläuten: Eine Viertelstunde vor Beginn wird drei Minuten lang mit der jeweils größten Glocke, mit denen zusammengeläutet wird, geläutet.

Hauptläuten: Fünf Minuten vor Beginn wird jeweils drei Minuten geläutet. Es ist darauf zu achten, dass alle Glocken zum Stillstand gekommen sind, bevor die Turmuhr schlägt.

WerktagSonntagHochfeste und Feiertage
Messen3,4,53,4,52,3,4
Ämter
Wandlungsläuten

(ab dem Sanctus)
3,4,52,3,4,5
1
1,2,3,4,5
1
Taufen3,4,53,4,53,4,5
Andachten4,53,4,51,2,3,4,5
Trauungen2,3,4
Beerdigungen
(beim Weggang zum Friedhof)
2,3
5

Gebetläuten:

Morgen 6.00 Uhr3
Mittag 12.00 Uhr3
Abend (je nach Jahreszeit)3,5

Das Erstläuten entfällt, wenn in dieser Zeit noch Gottesdienst ist.


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